Hej Co-Founder, ich muss dir was zeigen: die achte Version einer Landingpage, die vor zwei Wochen noch die erste war. Und den Moment, als ich die V1 erstmals gefeedbackt bekommen habe.

Es geht um St. Audio, das Podcast-Tool, an dem ich gerade wieder mit neuer Energie baue. Ich hatte drei Stunden in einen Input für die KI gesteckt, die fertige Copy mitsamt Klick-Prototyp kam in einem einzigen Durchlauf raus, und ich fand das Ergebnis ehrlich gesagt zieeemlich gut. Gut genug jedenfalls, um es abends meiner Frau Jasmin zu zeigen.

Sie hat eine knappe Stunde gebraucht, um mir das auszutreiben.

Die erste Stunde

Gleich ein Stolperer beim Hero, der das Wertversprechen sofort greifbar machen sollte:

„Das Mikrofon macht dich hörbar. Der Hoster bringt dich raus. St. Audio sorgt dafür, dass es sich lohnt.“

„Der Hoster bringt dich raus“, sagt sie. „Wieso wird der Hoster zum Feindbild erklärt?“ Sie hat ihn gelesen und verstanden, dass einen da irgendwas aus der Arbeit rausholt, statt raus in die Welt zu bringen (wie es gemeint war).

Okay, fair! Da war ich noch entspannt, weil man einen Satz ja missverstehen und umschreiben kann.

Wir sind immer noch ganz oben auf der Seite. Dann kam: „Man versteht schon, dass St. Audio eine KI ist. Aber man fragt sich sofort, was die von jeder anderen KI unterscheidet.“

Hier wird's kniffliger. Sie hat recht und irgendwie auch nicht. Ich habe an dem Abend aber keine Antwort parat gehabt, die kürzer war als fünf Minuten Erklärung.

An einer anderen Stelle im Gespräch habe ich das Wort „Methodenbibliothek“ verteidigt, weil ich genau weiß, was ich damit meine. Ihre Antwort: „Gehirne brauchen die einfachste heruntergebrochene Version, und wenn du dauernd deine eigenen Wörter erfindest, weiß außer dir niemand, was sie bedeuten.“

Das ist die Stelle, an der ich am wenigsten weiß, wer recht hat. Wenn man eine neue Kategorie aufmacht, gibt es schlicht kein Wort, dessen man sich mal eben bedienen könnte. Für eine Verkaufsseite war mein Vokabular trotzdem keine Hilfe.

Still wurde ich bei einem Block, für den ich mich besonders schlau fand. Ich hatte drei Werkzeuge benannt, die jede Podcasterin und jeder Podcaster kennt und braucht: Mikrofon, Aufnahmetool, Hosting. Für alle hat man irgendwann Geld ausgegeben.

Und St. Audio sollte jetzt mit dem Selbstverständnis einer eigenen, vierten Kategorie auf Augenhöhe daneben stehen:

Ich wollte meine eigene Schublade. Plus: Wer für die anderen jeweils zweihundertfünfzig Euro ausgegeben hat, findet meinen Preis normal (sanftes Preis-Anchoring).

Ihre Reaktion war, dass ich den Leuten damit erst mal vorrechne, wie viel sie schon ausgegeben haben. Und dann noch mal Geld will.

Ich hatte also einen ganzen Abschnitt gebaut, um meinen Preis zu verteidigen, und dabei nicht bemerkt, dass Verteidigung immer auch nach Verteidigung aussieht. Den Part werde ich später streichen.

Ihr Satz, der am längsten nachhallte, kam beim FAQ-Teil. Ich hatte dort die Frage aufgemacht, ob St. Audio jetzt eine Website, eine KI, ein Kurs oder eine Community sei. Jasmin meinte: „Wenn du sicher wärst, dass die Seite oben richtig erklärt, was das Ding ist, käme diese Verwirrung gar nicht erst auf.“

Die Frage im FAQ sei der Beweis, dass meine Erklärung vorher schlecht war. Und ein Funken Wahrheit steckt da bestimmt drin (sage ich inzwischen zähneknirschend).

Einmal hat sie mich gelobt: Sie mag, dass ich nie bei meiner ersten Idee bleibe.

Hehe. Was für eine Ansage.

Ganz nebenbei hat sie an dem Abend auch noch vorgeschlagen, ich solle die Idee hinter St. Audio lieber verkaufen, statt sie selbst zu bauen. Sachlich hat sie auch damit bestimmt recht, rechnerisch vermutlich auch. Aber emotional? Darüber schreibe ich ein andernmal.

Warum das überhaupt nötig war

Wir haben danach gute Nacht gesagt. Noch am selben Abend habe ich angefangen, die Seite neu zu bauen, weil ich die alte plötzlich selbst nicht mehr ertragen konnte. Drei Wochen später ich bei V8 angelangt.

Das Interessante an genau diesem Moment hier und jetzt ist für mich, dass ich das beim letzten Aufschlag von St. Audio anders gemacht habe.

Damals habe ich alles alleine fertig gebaut und erst dann jemanden draufschauen lassen. Zu dem Zeitpunkt war ich mit dem Ding schon so verheiratet, dass jedes Feedback wie ein Angriff auf drei Monate Arbeit klang. Also habe ich das meiste höflich weggenickt und weitergemacht wie geplant. Das Ergebnis kannst du dir denken.

Deswegen läuft es jetzt kategorisch andersherum. Erst meine Frau, weil sie mir nichts durchgehen lässt und nichts zu verlieren hat. Danach zwei Leute, die Podcasting von innen kennen und sehen, was fachlich nicht stimmt. Und jetzt die Runde, also fremde Augen, die mir auch nichts schulden und vor allem das (neue) Produkt nicht kennen.

Ich lade hier bei „David macht Sachen“ seit Monaten Leute ein, mich in ihre Projekte zu holen, damit sie an den Stellen nicht alleine sitzen, die man von innen schlecht sieht. Wenn ich das ernst meine, kann ich meine eigenen Sachen schlecht bis zur Fertigstellung im Keller behalten. Die Einladung zeigt darum ab jetzt in beide Richtungen.

Die zweite Stunde

Vorgestern Abend saßen wir wieder zusammen, Jasmin und ich. Gleiche Konstellation, gleiche Uhrzeit, gleiche Bitte von mir: denk mal laut.

Die Seite hatte jetzt u.a. eine eigene Optik, auf die ich super stolz bin.

Nach ein paar Minuten sagt sie: „Man sieht aber auch so deine Handschrift mit dem Design. Den ganzen Farben und so.“ Und dann, ohne dass ich gefragt hätte: „Ich wär jetzt geschockt, hättest du gesagt, das hat wieder die KI entschieden.“

Ich habe drei Wochen an einer Seite gearbeitet, die mal aus einem einzigen KI-Durchlauf kam. Und jetzt sagt meine Frau in einem Nebensatz, dass das nach mir ausschaut.

Ein besseres Kompliment fällt mir für diese Arbeit gerade nicht ein. Denn auch wenn man einzelne Parts längst an die KI abgeben kann, Geschmack, Urteilsvermögen und Haltung gehören nicht dazu.

Zwei Minuten später ging sie weiter: Zu viel Text, an mehreren Stellen. Das Kompass-Bild sei ein Bild in einem Bild in einem Bild und koste zu viel Nachdenken. Die Testimonials stehen viel zu weit unten. Und der Block, in dem Community und Einzelgespräch zusammenkommen, sei selbst beim zweiten Lesen verwirrend.

Ich sitze also gerade an der V9.

Was ich mitnehme

Nichts davon hätte ich gemerkt, wenn ich noch länger alleine an der Seite gesessen hätte. Ich hätte eine Version veröffentlicht, die für mich vollkommen logisch ist, und mich danach gewundert, warum niemand kauft.

Der teuerste Teil an meiner Arbeitsweise ist, dass ich zu lange warte, bis jemand draufschaut.

Vier Stellen liegen gerade offen: zu viel Text, das Kompass-Bild, die Position und Menge der Testimonials, der Community-Block. Drei davon kann ich diese Woche reparieren. Beim Community-Block vermute ich, dass es gar kein Textproblem ist. Vermutlich weiß ich selbst noch nicht genau, was da zusammengehört, und die Seite gibt das nur ehrlich wieder.

Deswegen geht die Seite diese Woche zum ersten Mal an Leute raus, die nicht mit mir verheiratet sind. Ich suche die fünfte Stelle. Die, die Jasmin nicht sehen kann, weil sie keine Podcasts macht, und die ich nicht sehen kann, weil ich die Seite gebaut habe.

Schreib mir kurz, ich schicke dir den Link (hallo@davidmachtsachen.de oder antworte einfach auf diese Mail). Freue mich über jede Stelle, an der du hängen bleibst.

Wann zeigst du deine Sachen zum ersten Mal her? Und ist das so früh, dass es noch wehtut?

Weitermachen,
David

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