Hej Co-Founder, ich muss dir was zeigen: eine Liste, die ich vor zwei Jahren angelegt habe und seitdem alle paar Monate mal hervorhole, um zu schauen, ob ich wieder mal was abhaken kann.
Sie ist entstanden, weil ich ein Workbook durchgearbeitet habe. Es ist von Ramit Sethi, dem Typen mit dem sperrigen Buchtitel „Ich zeige Dir wie Du reich wirst“ (hinter dem sich ein erstaunlich differenziertes Werk versteckt). Die für mich wichtigste Übung im Journal hat ausgerechnet nichts mit Geld zu tun. Er lässt dich aufschreiben, wie ein „reiches Leben“ für dich konkret aussieht. Gemeint ist kein Kontostand. Gemeint ist ein Dienstag. Konkret: Wie fängt dein Tag an? Was steht auf dem Tisch? Wovon hättest du gern mehr, auch wenn es niemanden beeindruckt? Etc.
Ich hab damals eine Weile gebraucht, bis ich ehrlich war. Die ersten Antworten waren geliehen. Größere Wohnung, mehr Reisen, Fokus-Zeit, so Zeug. Erst nach ein paar Runden kam das, was tatsächlich meins ist.
Hier ist die Liste, ungeschönt und unsortiert:
- Ein Zuhause mit genug Platz
- Natur vor der Tür
- Ein leerer Kalender, den ich selbst füllen kann
- Morgens ohne Wecker aufwachen
- Keine Deadlines, keine wiederkehrenden Aufgaben
- Kunst kaufen, wenn mich etwas berührt
- Beim Einkaufen nicht auf die Summe schauen müssen
- Genug Unterstützung, damit nicht alles an mir hängen bleibt
- Freunde, die mich eher größer machen als kleiner
- Ruhe im Kopf, was Geld angeht
Und jetzt der Teil, für den ich diesen Text schreibe: An fünf dieser Punkte steht inzwischen ein Häkchen. ✅ 🎉
Das Zuhause mit Platz gibt es. Und die Natur vor der Haustür auch. Die Menschen, die mich größer machen, sind da – allen voran meine Frau. Beim Einkaufen muss ich nicht mehr auf die Summe schauen, weil ich mich dafür entschieden habe.
Fünf von zehn, in zwei Jahren. Keine schlechte Quote.
Ich hab die Liste letzte Woche wieder aufgemacht und konnte diese Häkchen setzen. Und dann saß ich da und habe auf einen Bildschirm geschaut, der mir spiegelte: Hej, du bist schon bei der Hälfte angekommen.
Es hat sich kein bisschen so angefühlt.
Das ist der Moment, den ich dir zeigen will: Du hakst etwas ab, worauf du jahrelang hingearbeitet hast, und die Sache tut nicht, was sie tun sollte. Sie steht einfach da. Und dein Kopf ist schon drei Zeilen weiter unten bei den Punkten ohne Häkchen und rechnet aus, wie lange die wohl noch brauchen.
Ich hatte erwartet, dass sich Ankommen wie Ankommen anfühlt. Dass ein Punkt, der abgehakt ist, aufhört, Arbeit zu sein.
Ich hatte die Liste zwei Jahre lang als Ziellinie gelesen. Als etwas, das man abarbeitet, bis unten nichts mehr steht. Dass ich mich dann „reich“ fühlen würde.
Was ich danach aufgeschrieben habe
Irgendwann in derselben Zeit habe ich angefangen, ein zweites Dokument zu führen. Diesmal ging es allein um meine Arbeit und die Philosophie dahinter: Wie ich entscheide, warum manche Projekte mich leichter machen und andere schwerer, was ich eigentlich für gute Arbeit halte.
Der wichtigste Satz darin ist ein Maßstabswechsel: Ich habe aufgehört, Arbeit danach zu beurteilen, wie viel sie produziert. Was mich interessiert, ist, was sie ermöglicht.
Öffnet sie Türen? Entsteht etwas, das vorher nicht da war? Bleibt Platz für Umwege und für den Spaziergang am Nachmittag, weil genau dort die beste Idee wartet?
Daraus sind drei Fragen geworden, zu denen ich seitdem immer wieder zurückkomme:
- Weiß ich noch, worauf ich eigentlich hinaus will?
- Fühlt sich diese Arbeit lebendig an?
- Und habe ich mein System so gebaut, dass es mich unterstützt, statt auszubremsen?
Die Suche nach endgültigen Antworten habe ich früh beerdigt. Es reicht mir, sie regelmäßig neu zu stellen.
Die Grenze, die ich nie bemerkt habe
In dieses zweite Dokument über meine Arbeit habe ich auch die Rich-Life-Liste hineinkopiert. Ich weiß nicht mehr, warum.
Ich glaube ich habe sie da einfach reingesetzt, als „Beleg für David“. Ein leerer Kalender, ohne Wecker aufwachen, genug Unterstützung, Kunst kaufen, Freunde, die mich größer machen. Mitten in einen Text darüber, wie ich Projekte bewerte.
Letzte Woche ist mir das zum ersten Mal aufgefallen.
Ich hatte eine Liste über ein gutes Leben geschrieben und sie kommentarlos zur Grundlage meiner Arbeitshaltung gemacht. Als wäre da keine Grenze zu überqueren gewesen.
Und wenn ich die beiden Ebenen heute nebeneinanderlege, passen viele Punkte nahtlos übereinander:
- Der leere Kalender fragt mich, welche Verpflichtungen ich gerade aufbaue und welche Freiheiten daraus entstehen
- Das Aufwachen ohne Wecker fragt, ob eine Arbeit mir Energie zurückgibt oder sie verbraucht
- Genug Unterstützung heißt in der Arbeitssprache, dass ich Systeme mag, solange sie mein Leben leichter machen
- Kunst kaufen, wenn mich etwas berührt, ist derselbe Impuls wie der Umweg, der sich lohnt (kinda)
- Und Freunde, die mich größer machen, beschreiben ziemlich genau, wie ich inzwischen mit Menschen zusammenarbeite
Ich lese hier inzwischen zweimal dieselbe Liste raus. Einmal in der Sprache eines Lebens, einmal in der Sprache von Arbeit.
Es gibt ein Wort, das ich wirklich nie benutze, und jetzt endlich verstehe, warum: Work-Life-Balance. Die setzt zwei Gewichte voraus, die man gegeneinander austariert. Meine Liste hat sich geweigert, zwei zu sein.
Wofür die Liste tatsächlich da ist
Sethis stärkster Satz in dem ganzen Buch ist der übers Streichen. Ich paraphrasiere: Du sollst großzügig ausgeben für die zwei, drei Dinge, die du wirklich liebst. Und gnadenlos kürzen bei allem anderen.
Das klingt nach einem Finanztipp. Es ist eine Anweisung zum Auswählen, und sie funktioniert auf Arbeit bezogen genauso wie auf Geld. Die Liste war nie eine Ziellinie. Sie ist mehr ein Rotstift.
Sie existiert, damit ich diese Woche etwas streichen kann, und nicht, damit ich irgendwann mit irgendwas fertig bin.
In dem Moment, in dem mir das aufgegangen ist, haben sich die fünf Häkchen aufgelöst. Es gibt kein Ankommen. Nicht bei zehn von zehn und nicht bei zwanzig von zwanzig.
Was es gibt, ist ein Bild davon, wie es aussehen soll, und die Möglichkeit, jede Woche neu danach zu greifen.
Für diese Praxis habe ich inzwischen einen Namen für mich gefunden. Ich nenne sie 🧢 Builder Mode. Sie ist das Cap, das ich aufsetze, wenn ich gerade an der Arbeit baue, die mich trägt.
In diesem Modus hört Arbeit auf, mir zu passieren, und wird wieder zu etwas, das ich gestalte. Und klar, das Cap verrutscht ständig. Deshalb ist es auch kein Zustand, den man erreicht, sondern etwas, das man merkt und wieder zurechtrückt.
Der Schlussgedanke
Fünf Punkte auf meiner Liste haben ihr Häkchen schon. Fünf nicht.
Trotzdem musste ich mir für heute Morgen wieder einen Wecker stellen. Ich habe wiederkehrende Aufgaben, mehr als mir lieb ist. Und niemanden, der die Wäsche macht.
Heute weiß ich, dass „fertig“ nie kommt. Also lese ich die Liste als Filter und nicht als Ziellinie. Und baue so, dass die Arbeit mich trägt, statt darauf zu warten, dass sie mich irgendwann in Ruhe lässt.
Jetzt bin ich neugierig auf dich: Was steht auf deiner Liste, das ein Häkchen hat – und hat sich das angefühlt, wie du dachtest?
Weitermachen,
David
</Builder Mode>
Antworten kannst du mir dort, wo dieser Post zuerst erschienen ist: im🧢 Builder Mode Newsletter. Einmal die Woche denke ich darin laut über Arbeit nach, die tragen soll – an meinen eigenen Projekten, mit allem, was dabei schiefgeht. Du schreibst zurück, ich lese jede Mail.
Und wenn du an einer Sache baust und gerade nicht weiterkommst: dafür gibt es den 🧭 Builder Compass.