Ich habe in jeder unternehmerischen Beziehung, in die ich echtes Vertrauen gesteckt habe, eine Enttäuschung erlebt.

Ein Gründerinnen-Duo, das mich ausbootete, als aus einer gemeinsamen Idee Ernst werden konnte. Eine Co-Founderin, mit der ich 2018 (nach drei Jahren Remote-Teamwork) nach München zog – und mit der kein gemeinsamer Schreibtisch möglich war. Zwei Partner fürs Podcast-Business, die am Ende doch jeder lieber ihre eigenen Baustellen verfolgten.

Dreimal gemeinsam bauen wollen. Dreimal die Erkenntnis: nur allein komme ich weiter.

Und jetzt baue ich mit Sören den Mediapreneur auf – Versuch Nummer vier. Auch hier gibt es Reibung. Nur laufen wir diesmal aufs selbe hinaus, und was auf dem Weg dorthin weggehobelt wird, landet einfach in meinem eigenen Portfolio. Es hält, weil das Modell ein anderes ist.

Warum ich dir das gleich zu Beginn erzähle? Weil ich dich in jedem meiner Posts und Newsletter mit „Hej Co-Founder“ begrüße – und das ist ein zugegeben großer Widerspruch, den ich mir hier leiste. Ich habe mir an dem Wort mehrfach die Finger verbrannt und mache es trotzdem zu einem sehr zentralen.

Das ergibt nur Sinn, wenn man weiß, wie ich arbeite: Den Blick von außen hole ich mir längst wieder rein – in Form von tollen Menschen, die mitdenken, ohne Anteile zu wollen. Ich sitze ständig in irgendeiner Coaching-Situation, lasse mir Frameworks zeigen, vor allem aber den einen Blick auf meine Projekte, den ich allein nie so hinbekomme. Das Vertrauen ist noch da. Es weiß nur inzwischen, wo es hingehört.

Vielleicht ist alles, was ich hier baue, auch ein Versuch, es diesmal richtig zu machen.


Wie das angefangen hat

2003 – Ich war 13 und habe meine erste Website gebaut. Steckbriefe von mir und Freund*innen, Challenges mit meinem Bruder. HTML gelernt, weil's Spaß gemacht hat.

2014 – Nach einem Dreivierteljahr in meiner ersten Festanstellung nach dem Studium wusste ich es ziemlich sicher: Ich mag meinen eigenen Stress lieber als den von anderen.

2015 – Shelfd gestartet. Mediathekentipps per Newsletter, einfach aus Lust an der Freude. Mein erster Plan war sogar, irgendwann Hardware-Hersteller zu werden – wie weit ich davon entfernt war, ahnte ich damals nicht. Blöd auch: Ich hatte komplett vergessen, ein Geschäftsmodell zu bauen, und musste schnell wieder Freelancer-Jobs annehmen.

2018 – Für ein halbes Jahr von Berlin nach München gezogen, für eine Förderung am Media Lab Bayern. Sie hat fast alle Ressourcen verschlungen und die Partnerschaft mit meiner damaligen Co-Founderin nicht überlebt. Shelfd schon.

2021 – Ein Autounfall und Wendepunkt. Ab da galt: ganz oder gar nicht – ich mache nur noch, wovon ich wirklich überzeugt bin.

2022 – St. Audio gestartet. Mein eigener Podcast blieb bei 500 Hörer*innen stecken und ich war frustriert genug, um es wirklich verstehen zu wollen – also fing ich an, mir beizubringen, wie Reichweite eigentlich entsteht.

2024 – Crowdfunding-Drama: 6.450 € statt der angepeilten 60.000 €. Und parallel, fast im selben Atemzug, eine Förderung vom Journalismus Lab gerettet – fast im selben Umfang.

2025 – Meine Tochter ist geboren. Beste Sache von allen. Seitdem ist meine Zeit knapper und der Flow, in dem ich arbeite, wichtiger denn je. Was als Erstes hinten runterfiel, war der Sport – inzwischen schaffe ich es wieder zweimal die Woche ins Studio (yeah).


Was gerade läuft

Shelfd – Streaming-Kuration seit 2015. Rund 115.000 Besucher*innen im Monat, 250+ zahlende Mitglieder. Mein Baby.

St. Audio – Über 150 Methoden für Podcast-Wachstum, KI-gestützt. Steckt gerade selbst mitten in der Neuausrichtung.

REC Club – Community für Podcaster*innen. Über 50 Mitglieder, wöchentliche Calls. Gestartet im September 2025.

Mediapreneur – Magazin und Community rund um Mediasales, zusammen mit Sören Mannschitz. Fifty-fifty, seit Anfang 2026.

David macht Sachen – Dieser Blog und der Builder-Mode-Newsletter, in dem jeder Post landet. Die Dokumentation von allem hier.

Parallel an mehreren Sachen zu bauen, ist die Art, wie ich am besten arbeite.


Worauf ich stolz bin

Eine ziemlich unspektakuläre Sache

Am Ende ist es eine ziemlich unspektakuläre Sache: Ich lebe von dieser Arbeit.

Allein aufgebaut, Monat für Monat. Kein Chef, aber auch kein Sicherheitsnetz. Jede Förderung ist irgendwann vorbei, und dann steht wieder die Frage im Raum, wie nächsten Monat die Miete reinkommt. Meine Antwort war immer dieselbe: ein neuer Geschäftsbereich. Erst baue ich ihn selbst, bis ich weiß, worin die Qualität liegt – dann hole ich Leute ins Team, welche die Aufgaben noch viel besser umsetzen können als ich.

Mein Herzensprojekt trägt sich nicht

Weil wir hier bei der Wahrheit bleiben, auch beim unbequemen Teil: Shelfd, mein Herzensprojekt seit über zehn Jahren, trägt sich selbst nicht. Ein paar hundert Euro im Monat, mehr wirft die Mitgliedschaft nicht ab. Was die Redaktion finanziert, ist die Arbeit für andere – Kund*innen, die sich unsere Streaming-Expertise und ein Stück unserer redaktionellen Stimme einkaufen.

Hätte ich hier die Verhältnisse lieber umgedreht? You bet. Trotzdem würde ich es keine Sekunde anders machen. Shelfd ist der Ort, an dem ich mich als Popkultur-Fan komplett ausleben kann. Und das seit über zehn Jahren. Hier habe ich fast alles gelernt, was ich heute kann. Zehn Jahre Herzblut, die sich rechnen, weil daneben etwas anderes anlaufen konnte. Worauf ich also wirklich stolz bin: dass DAS GANZE trägt.

Was andere in mir sehen

Weil der Anfang dieser Seite recht dark war, hier zum Ausgleich die andere Hälfte. Menschen, die heute mit mir arbeiten, beschreiben mich als beides zugleich: experimentierfreudig und gewissenhaft, enthusiastisch und ruhig, innovativ und besonnen. Ich hätte mich selbst nicht so beschrieben. Aber vielleicht ist genau diese Mischung der Grund, warum am Ende doch vieles ineinander greift.


Was mich bewegt (und beunruhigt)

Woran ich zweifle

Es gibt Dinge, an denen ich zweifle, und ich kriege sie nicht kleiner, indem ich wegschaue.

Die Geschwindigkeit etwa, mit der sich gerade alles dreht. KI, die ich täglich nutze und trotzdem nicht zu Ende verstehe. Populismus, Autokratie, in manchen Ländern längst offener Faschismus. Ich will dem etwas entgegensetzen und weiß zugleich, wie klein mein Wirkungskreis ist. Also tue ich, was geht – und passe auf, ihn nicht mit Zynismus zu verwechseln.

Es gibt kein fertig

Was mich gleichzeitig aufreibt und anfeuert, ist näher dran: Es gibt bei mir keinen Zustand „fertig“. Meine To-do-Liste wird jeden Tag länger statt kürzer, und ich habe irgendwann aufgehört, das für ein Problem zu halten. Es ist einfach die Bedingung, unter der ich baue.

Die To-Do-Listen-Lüge
Je fleißiger du bist, desto länger wird deine To-Do-Liste. Das ist okay – wenn du zwischen Ideen unterscheidest, die du sammelst und jetzt abarbeitest.

Passende Kolumne von mir im „Mediapreneur“

Dazu kommt, dass sich ungefähr alle paar Wochen eine neue Weggabelung auftut, oft zu einem Thema, das vorher gar nicht auf meinem Zettel stand – und plötzlich stellt sie alles infrage, was mir letzten Monat noch wichtig war. Das ist anstrengend, jedes Mal. Ich nehme die Auseinandersetzung trotzdem ernst und bereue am Ende keine davon.

Am wackeligsten wird mein Gleichgewicht übrigens nicht bei den neuen Sachen, sondern bei den alten: bei Zusagen, die ich mal gegeben habe, weil sie mir irgendwann wichtig waren – und die ich heute bediene, obwohl der Sog weg ist.

Warum ich Leuten mit „System im Griff“ misstraue

Leuten, die erzählen, sie hätten ihr System endlich im Griff, misstraue ich ein bisschen. Meins verrutscht ständig. Das Aufschreiben ist meine Art, damit umzugehen.

Wer eine Anleitung zum Ankommen sucht, ist bei mir falsch. Wer das Unterwegs-Sein mag, richtig.

Hohe Ziele, kleine Schritte

Was mich bei all dem Zweifeln trägt, ist eine fast trotzige Grundhaltung: Ich gehe nie davon aus, dass ich etwas nicht kann. Nicht sofort, klar – als ich mit Shelfd anfing, wollte ich allen Ernstes Hardware-Hersteller werden, und der Weg dahin war absurd weit. Aber hohe Ziele sind für mich am Ende nur eine Frage kleiner Schritte.

Wenn man weiß, wo man hinwill, geht jeder einzelne Schritt in die richtige Richtung.

Mein verhasster Azteken-Tag

Zweimal im Monat opfere ich einen ganzen Tag für Steuerbelege und alles, was ich bis dahin weggeschoben habe. Azteken-Tag nenne ich den, und ich hasse ihn – wenig fühlt sich für mich nutzloser an.

Dass ich ihn trotzdem mache, hat mit einem Autounfall vor ein paar Jahren zu tun. Seitdem sortiere ich ziemlich schnell, was wirklich zählt und was nur dringend aussieht. Belege zählen nicht. Sein müssen sie trotzdem.

Das eine Wort, das über allem schwebt

Und dann ist da dieses eine Wort, das über allem schwebt: Flow. Meine Frau würde dir sofort sagen, dass das manchmal auch nur das schönere Wort dafür ist, dass ich mich ungern festlege. Sie hat nicht ganz unrecht. Ich habe nur noch kein besseres gefunden.


Wie ich ticke

Sebastian Esser hat mich mal gebeten, für seinen Blaupause-Newsletter meine wichtigsten Arbeitsprinzipien aufzuschreiben. Acht Denkweisen sind daraus geworden – von „Voll dabei oder vorbei“ bis „Wer Spaß hat, ist unschlagbar“.

Wenn du wissen willst, wie ich unter der Haube arbeite, ist das der ehrlichste Ort:

Anders arbeiten für Anfänger:innen
8 Denkweisen eines Creators. Von David Streit

Gastbeitrag von mir in Sebastian Essers Blaupause Newsletter

Kleiner Haken... der Beitrag ist noch unter meinem alten Namen erschienen, David Streit – wie fast alle meine Gastbeiträge in den letzten Jahren. Seit ich den Namen meiner Frau angenommen habe, fühlt sich dieses Archiv an wie ein weißes Blatt. Und ausgerechnet ich, der ständig irgendwo von vorn anfängt, muss erst mal schlucken, dass ein echter Neuanfang eben auch komisch sein kann.


Was ich teile (und was nicht)

Ich schreibe hier nicht, damit du mir nacheiferst. Ich schreibe, weil Bauen mehr Spaß macht, wenn jemand zusieht und mitdenkt – und weil ich selbst am meisten lerne, wenn ich meine Arbeit nach draußen in die frische Luft halte.

Konkret liest du bei mir:

  • Welche Projekte gerade laufen, welche nicht und wie sich beides anfühlt.
  • Was mich das kostet und was reinkommt – mit Zahlen, wo ich welche habe.
  • Wo ich scheitere und was ich daraus mitnehme.
  • Welche Entscheidungen ich treffe. Und warum.

Dafür öffne ich die Werkstatt und du darfst jederzeit reinschauen.


Ein paar Dinge, die in keinem Lebenslauf stehen

🔮 Orakel-Karten – Ich ziehe jede Woche eine, als Thema zum Nachdenken.

🚦 Zebrastreifen-Erzieher – Ich überquere wirklich jeden, um Autofahrer*innen zu erziehen. Du glaubst nicht, wie viele angerast kommen.

📱 Widget-Therapie – Alle paar Minuten erscheint ein neuer Text auf meinem Sperrbildschirm: Glaubenssätze oder große Aufgaben, die ich schon gemeistert habe.

Team Schwarztee – Nach 15 Jahren Club Mate seit Mitte 2024 umgestiegen. Und ziemlich froh drüber.

🥾 Spazieren gehen – Meine Lösung für so ziemlich alles. Wenn ich feststecke: raus und die Beine vertreten.


Wie du mit mir arbeiten kannst

[Folgt]

🧢 ODER einfach mitkommen.

Du musst gar nichts buchen. Wenn du wissen willst, woran ich gerade baue, abonnier den Builder Mode Newsletter – jeder neue Post landet direkt bei dir im Postfach. Kostenlos, und ehrlich gesagt der Ort, an dem du am dichtesten mit am Tisch sitzt.

Und wenn du bis hierhin gelesen hast, sitzt du sowieso schon irgendwie mit dran. Lass es uns doch gerne offiziell machen, Co-Founder. シ